Warnsignale in Lebensläufen und Zeugnissen
Ein Lebenslauf ist ein Werbedokument, das Fähigkeiten und Erfolge im besten Licht präsentieren soll. Allerdings gibt es, wie bei jeder Werbung, die Versuchung, die Wahrheit doch ein bisschen zu verschönern. Die Konsequenz kann eine Persönlichkeit sein, welche die Aufgabe, für die sie eingestellt wurde, nicht erfüllen kann. Im schlimmsten Fall kosten ihre Fehler oder verpassten Chancen viel Geld, verunsichern die Mannschaft und belasten hart erarbeitete Kundenbeziehungen oder das Vertrauen der Stakeholder.
Viele Punkte lassen sich erst im Laufe eines professionellen Auswahlprozesses überprüfen, die Basis dafür liegt jedoch schon in dem Erkennen von „Warnsignale“ in Lebensläufen. Hier sind einige Dinge, auf die es sich zu achten lohnt:
- Bevor Sie anfangen, die Bewerbungen und Lebensläufe durchzusehen, bereiten Sie eine Checkliste vor. Diese sollte als die wichtigen Qualifikationen, Fähigkeiten oder Eigenschaften der gesuchten Persönlichkeit für die Position enthalten. Wichtige Punkte sind: Ausbildung, allgemeine und spezielle Berufserfahrung, Fähigkeiten und Leistungsanforderungen der Stelle sowie – ganz wichtig – die Eigenschaften, die jemand zur erfolgreichen Erfüllung der Aufgabe mitbringen muss und die zur Unternehmenskultur passen.
- Achten Sie auf Zeitabschnitte, die nicht näher erklärt sind oder Abweichungen zwischen den Daten im Lebenslauf und den Zeugnissen. Diese können auf Geschehnisse hinweisen, welche die Person lieber verheimlichen möchte. Es kommt bspw. vor, dass längere Zeitabschnitte angegeben werden, um Lücken im Lebenslauf zu vermeiden.
- Obwohl die Mobilität der Arbeitnehmer zugenommen hat, ist eine längere Beschäftigung bei einem Arbeitgeber immer noch Ausdruck für eine gewisse Loyalität. Häufige Wechsel sind deshalb immer Warnsignale, die man diskutieren muss. Allerdings können auch die besten Mitarbeiter/innen nur kurze Zeit in Positionen verbracht haben, weil unvorhersehbare private oder unkontrollierbare berufliche Umstände dafür verantwortlich sind. Wichtig bleibt jedoch, sich gerade bei häufigen Wechseln die Gründe genau erläutern zu lassen.
- Achtung bei Lebensläufen, die mit vagen Verantwortungsbereichen und Behauptungen gefüllt sind. Vorsicht bei Ungereimtheiten zwischen Stellenbezeichnung, Verantwortung und Gehalt! Schauen Sie sich ganz genau an, was in den Zeugnissen dazu steht und lassen Sie sich Erfolge und Ergebnisse detailliert beschreiben.
- Insbesondere beim Gehalt wird manchmal übertrieben. Falls Sie selbst kein sicheres Gespür für die übliche Einkommensbandbreite für die jeweilige Managementposition haben, bitten Sie um entsprechende Nachweise oder fragen Sie den Personalberater Ihres Vertrauens.
- Ein unter Marketinggesichtspunkten exzellent gestilter Lebenslauf ist sicher schön, lässt aber keine direkten Rückschlüsse auf die Qualität einer Managementpersönlichkeit zu. Schließlich wissen Sie nie, wer den Lebenslauf erstellt hat. Was Sie jedoch auf jeden Fall erwarten können, ist ein fehlerfreier und gut formulierter Lebenslauf. Gerade in der heutigen Zeit, in der jedermann Zugriff auf Rechtschreibprüfung und KI-Unterstützung hat, ist ein fehlerhafter CV ein Warnsignal bezüglich Sorgfalt und Professionalität einer Führungskraft.
- Wenn Sie zu viele Warnsignale erkennen, ist es ggf. besser, erst gar keine Einladung auszusprechen. Auf jeden Fall sollten Sie sich alle Punkte im Vorstellungsgespräch genauestens erläutern lassen und sich nicht scheuen, intensiv nachzuhaken, falls Ihnen die Antworten nicht tief genug gehen.
- Möglicherweise macht es Sinn, Ihren Personalberater zu bitten, nochmals persönliche Referenzen bei ehemaligen Arbeitgebern einholen. Besprechen Sie mit ihm die Punkte, die Ihnen besonders wichtig sind, damit er hierzu gezielte Fragen stellen kann.
Fazit: Es gibt keinen Ersatz für eine intensive Prüfung jedes wichtigen Aspekts in einem Lebenslauf. Schließlich möchten Sie eine Managementpersönlichkeit gewinnen, die nicht nur schreiben, sondern vor allem nachweisen kann, wie erfolgreich sie ist.



